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„Komme, was wolle, wir müssen fertig werden“

In der Großküche herrscht ein klarer Rhythmus: Denn egal, wie die Bedingungen sind, von Montag bis Freitag muss das Mittagessen pünktlich auf den Tischen stehen. Das Mittagessen meint dabei nicht nur ein Gericht, sondern gleich mehrere: ein vegetarisches und ein nichtvegetarisches Essen, frischer Salat, Nachspeise sowie verschiedene Sonderkostformen.

Hinzu kommt die Versorgung mehrerer Bereiche: Neben dem großen Speisesaal in Weckelweiler werden auch die Brettachhöhe (Kerzenwerkstatt, FuB und Tagesgruppe) beliefert. Nur der Forellenhof kocht inzwischen selbst. 

„Wenn bei uns etwas nicht klappt, bekommen es alle mit, wir können im Vergleich zu anderen Bereichen nicht groß verbergen, wenn etwas schief geht“, sagt Alexander Thier, seit Januar 2026 Leiter der Großküche – mit einem Augenzwinkern.

Täglicher Start um 8 Uhr

Der Arbeitstag beginnt früh und strukturiert. Um 8 Uhr trifft sich das Team zum Meeting. Wer fehlt heute? Wann kommen Lieferungen? Welche Aufgaben stehen an? Solche Fragen werden besprochen. Gleichzeitig ist Zeit für kurze Absprachen und Feedback.

„Wir sprechen in dieser Runde auch unbequeme Dinge an“, erklärt Doris Kunz. So wird gleich am Morgen beleuchtet, was besser funktionieren könnte, und möglichst Klarheit auch unter einander geschaffen, damit der restliche Tag reibungslos laufen kann.

Teamarbeit in Bewegung

Ab 8.30 Uhr kommen die Werkstattbeschäftigten dazu. Arbeitsgruppen werden gebildet, Arbeitsstationen verteilt und erste Schritte besprochen. Dabei bleibt nichts starr: Die Gruppen wechseln regelmäßig, Aufgaben rotieren.

„Persönliche Wünsche versuchen wir, soweit möglich, zu berücksichtigen“, sagt Birgit Markert, die neben ihrer Arbeit in der Großküche auch Kochunterricht an der Fachschule für Heilerziehungspflege gibt.

Diese Mischung aus Struktur und Flexibilität sorgt dafür, dass viele Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten gut zusammenarbeiten können.

Am Vormittag läuft viel parallel

Um 9.30 Uhr gibt es eine kurze Pause, danach beginnt der Endspurt. Um 10 Uhr läuft die heiße Phase der Essenszubereitung an.

Schon um 11 Uhr verlassen die fertig gepackten Wärme-Container die Küche in Richtung Brettachhöhe. Ab 11.30 Uhr stehen die ersten Gäste in der Ausgabe am Saal – hungrig und pünktlich.

Täglich werden rund 330 Essen zubereitet. Die Mengen sind beeindruckend: Gibt es Kartoffel, müssen etwa 70 kg Kartoffeln geschält werden, rund 250 Teller werden hin- und hergetragen und gespült, Besteck wird vorbereitet, frischer Salat für alle geputzt und portioniert, Gemüses geschnippelt und, und, und. 

Während einige noch Essen ausgeben oder Wasser an die Tische bringen, beginnt für andere bereits der nächste Abschnitt: Spülen, Aufräumen und Vorbereiten für den nächsten Tag.

Hygiene wichtig

Küche bedeutet weit mehr als Kochen. Auch Hygiene spielt eine große Rolle- vor allem in einer Großküche. Nach strengen Plänen werden regelmäßig nicht nur Geschirr und Töpfe gereinigt, sondern auch Lüftungen, Fenster, Wände, Regale und Kühlräume. 

„Das gehört einfach dazu – jeden Tag“, ist die Haltung im Team. Wer hier mitarbeiten will, muss Hygienevorschriften einhalten können. Das beginnt bei sauberer Kleidung und Händewaschen und endet nicht beim sorgfältigen Umgang mit den Speisen.

Events und Veranstaltungen

Was wären die Weckelweiler Märkte ohne Grillwurst oder Punsch? Auch bei Events und Veranstaltungen ist die Großküche mehr gefordert als die meisten Werkstätten. Und das Team meistert auch diese zusätzlichen Aufgaben mit Bravour.

Lernen mitten im Alltag

Die Großküche ist auch ein Ausbildungsort. Fachpraktiker:innen für Küche oder Hauswirtschaft lernen hier genauso wie HEP-Schüler:innen. Zusätzlich gibt es eine Anlehre für Werkstattbeschäftigte, bei der alle Stationen durchlaufen werden und auch Berichtshefte ausgefüllt werden. So wird aus dem Küchenalltag auch ein Lernalltag, in dem viele Schritt für Schritt neue Fähigkeiten entwickeln.

Regional, frisch und manchmal überraschend

Bei der Planung des Speiseplans wird geschaut, was die eigene Gärtnerei gerade liefern kann. Trotzdem müssen viele Zutaten zusätzlich eingekauft werden. Einige Produkte werden sogar selbst haltbar gemacht – etwa durch Einkochen von Tomaten.

Die Weckelweiler Landwirtschaft liefert Rindfleisch, Kartoffeln und Milch. Das sorgt für kurze Wege und Demeter-Qualität bei Gemüse, Milchprodukten und Fleisch. Und alle wissen, wo die Erzeugnisse herkommen.

Das neue Team bringt frischen Wind in die Küche. Völlig neue Gerichte stehen auf dem Speiseplan und der handgeschriebenen Tafel vor der Essensausgabe. Die Gäste merken den Unterschied. Und noch wichtiger: Sie schmecken ihn.