Neue Dimension: HAKRO und Weckelweiler bauen Außenarbeitsgruppe deutlich aus

Bereits seit September 2017 ist die Werkstatt für Menschen mit Behinderung (WfbM) der Weckelweiler Gemeinschaften mit einer sogenannten Außenarbeitsgruppe im Logistikzentrum der HAKRO GmbH vertreten. Was damals mit sechs Menschen mit psychischen oder geistigen Einschränkungen begann, ist heute ein fester Bestandteil des Unternehmensalltags – und wächst nun auf bis zu zwölf Personen pro Tag an.
Mit dem Ausbau wächst zum einen die Zahl der Arbeitsplätze, zum anderen auch die Flexibilität des Modells. Nicht alle zwölf Personen sind täglich vor Ort: Manche schnuppern zunächst hinein, andere arbeiten ein oder zwei Tage pro Woche im Logistikzentrum. Das Angebot ergänzt bei diesem Modell die Tätigkeit in anderen Werkstattbereichen der Weckelweiler Gemeinschaften.
Dieser Ausbau ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit, die 2016 mit zwei Außenarbeitsplätzen versuchsweise erprobt wurde und sich dann über die Jahre langsam entwickelt und bewährt hat. Die Beschäftigten der WfbM unterstützen in vielen Bereichen: Beim Be- und Entladen von LKWs, bei der Regalpflege, beim Zusammenbauen und Entsorgen von Kartons oder bei kleineren Montage- und Sortieraufträgen. Auch die Mitarbeit in der Kantine, in der Grünpflege oder im Hausmeisterbereich gehört inzwischen dazu. Es werden sowohl einfache Tätigkeiten erledigt, manche Aufgaben sind aber auch durchaus komplex.
Johann Suess, Werkstattbeschäftigter der Weckelweiler Gemeinschaften, ist von Anfang an dabei und hat die Entwicklung miterlebt. „Mir macht das Arbeiten hier Spaß, wir sind alle auf Augenhöhe“, sagt er. Mit seinem Engagement und seiner Zuverlässigkeit kann er seit Jahren beweisen, dass er zum Unternehmenserfolg beitragen und Teil eines Teams sein kann.
Dass sich die Außenarbeitsgruppe so selbstverständlich in den Betriebsablauf einfügt, ist kein Zufall. Für HAKRO ist Integration gelebte Praxis: Die Beschäftigten aus Weckelweiler werden zu Firmenfesten eingeladen, erhalten Arbeitskleidung und nutzen die Unternehmenskantine wie alle anderen Mitarbeitenden.
„Wirkliche Inklusion wird durch das Modell für viele möglich – nicht nur für die leistungsstärksten Beschäftigten. HAKRO stellt sich auf unsere Werkstattbeschäftigten ein und eröffnet echte Chancen“, betont Werkstattleiterin Louisa Alius. Begleitet werden die Beschäftigten sozialpädagogisch durch einen Mitarbeiter des Berufsbildungsbereichs der Weckelweiler Gemeinschaften. Er ist als verlässliche Ansprechperson vor Ort und gestaltet die Übergänge und Arbeitsprozesse der Werkstattbeschäftigten mit.
Tobias Hofmann vom Berufsbildungsbereich, der die Gruppe von Beginn an federführend begleitet, ordnete das Projekt am Montag ein: „Im Bereich der WfbM kenne ich kein vergleichbares Modell in dieser Größenordnung und mit dieser Konsequenz.“
Auch Prof. Dr. Steffen Koolmann, Vorstand der Weckelweiler Gemeinschaften, zeigt sich stolz auf das Erreichte: „Es ist eine große Chance für unsere Beschäftigten, den regulären Arbeitsmarkt kennenzulernen. Dass heute alle Mitarbeitenden des Logistikzentrums mit anstoßen, zeigt, dass die Kooperation von allen getragen wird – und nur deshalb so gut gelingt.“ Er dankte der HAKRO-Geschäftsführerin Carmen Kroll, Logistikleiter Alexander Mertjan und HAKRO-Mitarbeiter Michael Wisniewski sowie deren gesamten Team, dem Berufsbildungsbereich sowie den Werkstattbeschäftigten selbst „für ihren Mut und ihre Lust auf Neues“.
Alexander Mertjan, Leiter Logistik & Dienstleistungen bei HAKRO, unterstreicht die gemeinsame Verantwortung: „Unsere Außenarbeitsgruppe ist längst fester Bestandteil unseres Teams. Wir erleben jeden Tag, wie sehr Vielfalt unseren Arbeitsalltag bereichert – fachlich wie menschlich. Inklusion ist für uns kein Zusatzprojekt, sondern Teil unserer Unternehmenskultur.“
So ist aus einer anfänglichen Kooperation ein Modell geworden, das Signalwirkung erzielen könnte. Die enge Begleitung, die Offenheit des Unternehmens und die schrittweise Heranführung an betriebliche Abläufe ermöglichen reale Einblicke in den allgemeinen Arbeitsmarkt – ohne den geschützten Rahmen der Werkstatt aufzugeben.
Info: Was ist ein Außenarbeitsplatz?
Ein Außenarbeitsplatz ist ein Arbeitsplatz für Menschen mit Behinderung direkt in einem Unternehmen des allgemeinen Arbeitsmarktes, während das Beschäftigungsverhältnis mit der Werkstatt für Menschen mit Behinderung (WfbM) bestehen bleibt. Die Beschäftigten sind weiterhin über die WfbM versichert und werden fachlich begleitet, sammeln jedoch praktische Erfahrungen im regulären Arbeitsumfeld. Ziel ist es, Inklusion konkret zu leben und langfristig Perspektiven für eine mögliche Integration in den allgemeinen Arbeitsmarkt zu eröffnen.
Foto: Das Weckelweiler Außenarbeitsplatz-Team mit den beiden HAKRO-Ansprechpartnern Alexander Mertjan (vorne rechts) und Michael Wisniewski (vorne links) am ersten Tag der neuen Kooperation im HAKRO-Logistikzentrum in Schrozberg.