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Sebastian Karg übernimmt Verantwortung bei den Weckelweiler Gemeinschaften

Nach einem Freiwilligen Sozialen Jahr, einem BWL-Studium und Stationen in der Landespolitik kehrte Sebastian Karg 2019 nach Weckelweiler zurück. Seit dem 1. Oktober steht der 33-Jährige nun gemeinsam mit Petra Bittinger an der Spitze des Sozialunternehmens und will dessen erfolgreiche Entwicklung fortsetzen.

Schon in seinen ersten Tagen als geschäftsführender Vorstand machte sich Sebastian Karg auf den Weg zu den verschiedenen Standorten der Weckelweiler Gemeinschaften. Er wollte die Mitarbeitenden und Werkstattbeschäftigten persönlich treffen und sich als Vorstand vorstellen. Bei einem offiziellen Empfang in der Kulturscheune in Weckelweiler am Donnerstag, 22. Oktober wurde er nun auch von geladenen Gästen willkommen geheißen. Neben Sebastian Karg hielten Nikolaos Sakellariou, Vorsitzender des Aufsichtsrats, und Petra Bittinger, die seit neun Jahren dem Vorstand angehört und nun Vorstandsvorsitzende ist, kurze Reden.

Vom Freiwilligendienst in die Geschäftsführung

Gleich nach dem Abitur absolvierte Sebastian Karg vor 14 Jahren bei den Weckelweiler Gemeinschaften ein Freiwilliges Soziales Jahr. Er arbeitete im damaligen Dienstebereich. Die Erfahrungen aus diesem Jahr prägten ihn nachhaltig. „Vor 14 Jahren hat es beim FSJ gut gepasst, vor sieben Jahren hat es bei der Vorstandsreferentenstelle gut gepasst und jetzt bin ich seit gut drei Wochen selbst Vorstand der Weckelweiler Gemeinschaften und finde, das passt auch sehr gut und freue mich sehr auf diese Aufgabe“, sagte er beim Empfang.

Nach dem Freiwilligendienst studierte Sebastian Karg Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt International Business. Das duale Studium absolvierte er bei HBC-radiomatic in Crailsheim und an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Stuttgart. Anschließend arbeitete er drei Jahre als persönlicher Referent der grünen Landtagsabgeordneten Jutta Niemann. Auch kommunalpolitisch engagierte er sich: Er wurde in den Crailsheimer Gemeinderat und den Kreistag des Landkreises Schwäbisch Hall gewählt und ist weiterhin kommunalpolitisch aktiv.

Sieben Jahre Erfahrung bei Weckelweiler

2019 kehrte Sebastian Karg als Vorstandsreferent nach Weckelweiler zurück. In den folgenden sieben Jahren arbeitete er eng mit Steffen Koolmann und Petra Bittinger zusammen. Er begleitete zahlreiche Prozesse innerhalb der Organisation, unterrichtete an der Fachschule für Heilerziehungspflege, betreute die Einführung der neuen Internetseite und unterstützte die politische Bildung der Beschäftigten. 

Durch eine gezielte Führungskräftequalifizierung und eine rund fünfmonatige Hospitation bei der Partnereinrichtung „EINS+ALLES“ in der Laufenmühle in Welzheim bereitete er sich auf den Wechsel in den Vorstand vor. Unter der Leitung von Philipp Einhäuser erhielt er dort Einblicke in eine andere Organisation und konnte neue Perspektiven gewinnen.

„Richtiger Mann, richtiges Alter, richtige Erfahrung“

Nikolaos Sakellariou, Aufsichtsratsvorsitzender der Weckelweiler Gemeinschaften, ist überzeugt, mit Karg die richtige Wahl getroffen zu haben. „Richtiger Mann, richtiges Alter, richtige Erfahrung“ – diese Kombination mache ihn für die Aufgabe geeignet. Für Nik Sakellariou ist entscheidend, dass eine Führungskraft die Organisation und die Anliegen der Mitarbeitenden aus eigener Erfahrung kennt. Er verwies dazu auf Evelyn Palla, die als Bahnchefin auch einen Lokführerschein besitzt. Wer Verantwortung trage, sollte wissen, wie die praktische Arbeit aussehe. Zugleich müsse ein Vorstand Entscheidungen treffen, die nicht allen gefielen. Das sei eine große Verantwortung, der sich Karg stellen müsse.

Symbolische Geschenke für eine gute Zusammenarbeit

Auch Petra Bittinger hob hervor, wie gut der neue Vorstand die Gemeinschaften kenne. Während seines Studiums habe Sebastian Karg bereits gemerkt, dass ihn Zahlen allein nicht erfüllten. Er habe eine Tätigkeit gesucht, die Sinn stifte, und bringe einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn mit. Nach seiner Zeit in der Landespolitik habe er wieder in die Region zurückkehren wollen. Die Stelle als Vorstandsreferent sei deshalb passend gewesen. In den vergangenen Jahren habe er sich Schritt für Schritt in neue Aufgaben eingearbeitet und Verantwortung übernommen. „Du trittst in große Fußstapfen, aber du wirst deinen eigenen Weg gehen“, sagte Petra Bittinger zuversichtlich.

Zur Begrüßung überreichte sie ihrem Vorstandskollegen einen Geschenkkorb mit mehreren symbolischen Beigaben. Butterbrezel-Gutscheine sollten zu Pausen und Gesprächen einladen. Ein Würfel mit verschiedenen Antwortmöglichkeiten stand für schwierige Entscheidungsprozesse, eine Wollkordel symbolisierte den sprichwörtlichen Geduldsfaden, und ein Brillenputztuch sollte einen klaren Blick und den nötigen Perspektivwechsel ermöglichen. Eine Biografie Rudolf Steiners und ein buntes Geschirrtuch aus der Textilwerkstatt ergänzten das Geschenk. Das Tuch, dessen Fäden erst im Zusammenspiel ein stabiles Gewebe ergeben, stehe symbolisch für die Gemeinschaft der Weckelweiler. „Gute Entscheidungen fallen oft nicht am Schreibtisch, sondern gemeinsam dort, wo man sich begegnet“, betonte Bittinger.

Eine Herzensangelegenheit mit vielen Aufgaben

In seiner Rede betonte Sebastian Karg, Weckelweiler sei für ihn mehr als ein Arbeitsplatz. Die Gemeinschaften seien durch ihre unterschiedlichen Bereiche, Aufgaben und Menschen geprägt. Diese Vielfalt mache die Einrichtung für ihn aus. Er sprach von einer „Herzensangelegenheit“ und davon, dass er seine neue Aufgabe mit Demut, Respekt, Freude und Zuversicht antrete. Er wisse, welche Herausforderungen auf ihn zukämen, und kenne die Menschen und Arbeitsabläufe bereits aus vielen Jahren eigener Erfahrung.

Zu den anstehenden Aufgaben zähle, dass die Bewohner:innen und Werkstattbeschäftigten älter würden und teilweise mehr Unterstützung benötigten. Zugleich kämen jüngere Menschen mit komplexeren Unterstützungsbedarfen nach Weckelweiler. Nicht nur das Wohnen, auch die Arbeitsabläufe in den Werkstätten müssten weiterentwickelt werden. Geplant seien unter anderem Maßnahmen zur Verbesserung der Barrierefreiheit. Am Forellenhof in Bügenstegen solle eine neue Tagesgruppe entstehen. Insgesamt stünden an allen Standorten Sanierungen und Maßnahmen zum Hitzeschutz als Anpassung an den Klimawandel an. Der Erlebniswald mit Café und Spielplatz auf der Brettachhöhe bei Gerabronn solle voraussichtlich im April 2027 eröffnet werden.

Teilhabe sichern und Entwicklung fortsetzen

Die finanzielle und soziale Stabilisierung der Gemeinschaften, die Petra Bittinger und Steffen Koolmann in den vergangenen Jahren vorangetrieben haben, bilde eine wichtige Grundlage für die weitere Entwicklung. Sebastian Karg, der unter anderem für die Finanzen und das Personalwesen zuständig sein wird, will diesen Weg fortsetzen und die Angebote nachhaltig gestalten. Zugleich verwies er auf die politischen Rahmenbedingungen: Bei der Unterstützung von Menschen mit Behinderungen dürfe nicht am falschen Ende gespart werden. Sie hätten ein Recht auf Teilhabe und Selbstbestimmung. Bürokratie, die den Menschen nicht helfe, müsse abgebaut werden – nicht aber die Unterstützung, die sie tatsächlich benötigten.

Zum Abschluss dankte Sebastian Karg den Mitarbeitenden, seiner Familie und seinen Freunden. Die Entwicklung der Weckelweiler Gemeinschaften sei keine Leistung Einzelner, sondern das Ergebnis gemeinsamer Arbeit. Mit seiner langjährigen Erfahrung in der Einrichtung, dem Blick von außen und dem Wissen um die anstehenden Aufgaben werde er als Vorstand daran anknüpfen.

 

Foto: Bei der offiziellen Einführung des neuen geschäftsführenden Vorstands der Weckelweiler Gemeinschaften (von links): Kirchbergs Bürgermeister Axel Rudolph, der ehemalige Werkstattleiter der Weckelweiler Gemeinschaften, Vorstandsvorsitzende Petra Bittinger, der neue Vorstand Sebastian Karg und Aufsichtsratsvorsitzender Nikolaos Sakellariou.